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blaxxuns "Paperboy" DBA Projekt: Vier 10mm Armeen für ein Wargaming Hallelujah

Nach einigen Testspielen, war ich von De Bellis Antiquitatis (DBA) so angetan, dass ich mir dachte: das wird mein nächstes System, eigene Armeen müssen her. Und eine Platte. Und Überhaupt bin ich inzwischen auch alt genug für historisches Wargaming.

Eine kleine Systemvorstellung zu DBA findet man hier: Link

Typischerweise wird DBA bei uns im Verein in 15mm gespielt. Die Figuren kommen aus dem Resindrucker und sehen super aus. Es soll sogar Leute geben, die DBA in 6mm spielen – das Spielfeld ist dann nur noch  putzige 35cm x 35cm groß.

Drei Punkte sprachen für mich persönlich aber gegen 15mm:

  • Ich wollte möglichst nichts anmalen, mein Pile of Shame ist groß genug
  • Bei 15mm stehen auf einer Infantrie-Base nur 4-5 Modelle. Das funktioniert spielmechanisch wunderbar und man kann alles top erkennen, mir sind das aber zu wenige Modelle – das entspricht nicht meinem „Groß-Schlacht Kopfkino“
  • Ich wollte diese Gelegenheit nutzen eine ganz neue Art von Miniaturen auszuprobieren, nämlich die sog. „Paperboys“
Paperboys? Was soll das denn sein?

Paperboys sind flache, beidseitig bedruckte Papierminiaturen, die:

  • als PDF gekauft und heruntergeladen werden

  • auf normalem (80g) Papier ausgedruckt werden

  • ausgeschnitten, gefaltet und auf Bases geklebt werden

  • in klassischen Tabletop-Maßstäben (10 mm / 18 mm / 28 mm) gespielt werden

Das Ergebnis sind flache, stabile Figuren mit klar erkennbarer Vorder- und Rückseite, die sich an der Tradition früher Zinn-Silhouetten orientieren und vor allem auf gute Lesbarkeit im Spiel ausgelegt sind.

Die Vorteile dieses Ansatzes liegen vor allem in Kosten, Tempo und Praktikabilität. Ein einmal erworbenes PDF kann beliebig oft ausgedruckt werden, wodurch auch große Armeen oder mehrere Fraktionen sehr günstig realisierbar sind. Die Figuren werden nicht bemalt, sondern fertig illustriert ausgeschnitten und zusammengeklebt, sodass eine spielbereite Streitmacht in kürzester Zeit entsteht.

Kurzer Exkurs - Wer ist Peter Dennis?

Peter Dennis ist ein britischer Illustrator und Autor, der seit den 1970er-Jahren aktiv ist und zu den prägendsten Künstlern der historischen Wargaming-Szene gehört. Bekannt wurde er vor allem durch seine jahrzehntelange Arbeit für Osprey Publishing, für die er hunderte Titel mit militärhistorischen Illustrationen ausgestattet hat. Als lebenslanger Wargamer verband er seine zeichnerische Arbeit stets mit dem praktischen Spiel und entwickelte mit Peter’s Paperboys auch ein eigenes „System“ gedruckter Papierminiaturen.

Auch auf der Hamburger Tactica ist Peter Dennis eigentlich fast jedes Jahr anzutreffen. Da sitzt er dann und illustriert live historischen Dinge.

Vorbereitung - was ist der Plan?

Für dieses Projekt entschied ich mich für die folgenden Armeen aus dem Zeitalter der Klassik:

Athenian Army , Early Germans, Mithridatic Army und Marian Romans.

Wichtig war mir eine möglichst große Vielfalt an Einheitentypen und „Heimatgelände-Arten“ zu haben.

Möglicherweise ist es historisch nicht so ganz korrekt, dass Athener gegen Germanen kämpfen, das ist mir hier aber weniger wichtig als die spielerische Vielfalt.

Auf dem Bild unten sieht man die vier Armeelisten sowie die zugehörigen „Agressions-Werte“ und das jeweilige Heimatgelände. Wie es sich für DBA gehört, bestehen alle vier Armeen aus je zwölf Einheiten / Bases. Unter den Armeelisten sieht man noch das DBA-Aufstellungs-Regeln.

Benötigtes Material

Folgende zwei Paperboy-PDFs (www.peterspaperboys.com) habe ich für dieses Projekt verwendet:

  • Ancient The Galic Wars 10mm (£12.00)
  • Ancient Mithridates‘, Pontics, Parthians and Successors 10mm (£10.00)

 

Damit hatte ich mehr als genug Material für meine geplanten zwei Armeen, alleine mit diesen zwei PDFs könnte man bestimmt dutzende verschiedene historische Armeen darstellen.

Auf www.peterspaperboys.com gibt es diverse Tutorials zur Erstellung der Paperboys, es ist aber wirklich nicht sehr schwer. Zum Drucken sollte man ganz normales Druckerpapier (80g) nehmen, also nichts besonders dickes.

Als Kleber empfiehlt Peter Dennis explizit den abgebildeten Uhu-Alleskleber „Flinke Flasche“, sowie das erwähnte Mod Podge. Das ist so eine Art Mischung aus Holzleim und Mattlack. Es sieht erstmal aus wie Holzleim, härtet aber transparent und matt aus.

Außerdem habe ich die zwei abgebildeten Scheren verwendet, sowie einige DBA Bases.

Einheitenstreifen zuschneiden und verkleben

Der erste Schritt bestand darin die jeweils benötigten Einheitenstreifen rauszusuchen auszuschneiden, zu falten und mit dem Alleskleber zu verkleben.

Detailschnitt

Nachdem der Uhu getrocknet war, kommt auf schon der nächste und sicherlich aufwendigste Schritt: das große „Kontur-Ausschneiden“.

Jetzt geht es darum den ganzen „weißen Rand“ wegzuschneiden. Das ist etwas friemelig und gewöhnungsbedürftig – ich hatte aber relativ schnell den Dreh raus. Ich empfand es auf jeden Fall als sehr viel leichter als das Bemalen von Miniaturen. Wenn man mal aus Versehen den ein oder anderen Kopf, Arm oder Speer abschneidet, ist das ganz egal: Das sind 10mm Figuren, wenn die später auf dem Tisch stehen, erkennt man solche „Detail-Fehler“ ohnehin nicht.

Ebenfalls ausgeschnitten habe ich die grünen „Freiflächen“ zwischen den Beinen, das sieht man auf den Fotos unten bei den Pferden ganz gut.

Dieses „Detail-Ausschneiden“ hat pro Armee etwa zwei Stunden gedauert.

"3D biegen" und auf die die Bases kleben

Im Grunde könnte man die ausgeschnittenen Figuren jetzt auf die Bases kleben. Damit die Figuren aber etwas „3D mäßiger“ wirken, habe ich die Figuren vorher noch etwas „gefaltet“. Ich hoffe man erkennt das auf den Bildern einigermaßen – es ist so eine Art Ziehharmonika-Faltung 😀

Anschließend habe ich die Figuren mit Uhu-Alleskleber auf die Bases geklebt. Damit die Figuren dabei schön aufrecht stehen, habe ich teilweise eine Gabel zur Stabilisation verwendet.

Mode Podge für Versiegelung und Stabilität

Jetzt kommt der ominöse „Mod Podge“ ins Spiel – dieses Material hatte ich bis dahin auch noch nicht verwendet. Wie gesagt ist das so eine Art Mischung aus Holzleim und Mattlack.

Auf jeden Fall habe ich jetzt alle Figuren großzügig von oben bis unten damit eingepinselt.

Bis dahin standen die Figuren noch teilweise etwas instabil auf ihren Bases, aber durch das Mod Podge bekommen die Minis jetzt nochmal sehr viel mehr Halt und „Steifigkeit“. 

Bei einigen besonders filigranen Teilen wie Speeren oder Piken habe ich mehrere Schichten Mod Podge verwendet.

Basegestaltung

Dann ging es auch schon an die Bases. Grundsätzlich sind schöne Bases bei so kleinen Maßstäben ja sehr wichtig. Damit man die vier Armeen leichter auseinander halten kann, habe ich versucht die Bases farblich jeweils klar unterschiedlich zu machen. Verwendet habe ich mein übliches Basematerial: Sand und verschiedene feine Gras-Streue.

Plattenbau & Gelände

DBA in kleinem Maßstab spielt man auf 60cmx60cm bis 90cm-90cm. Ich habe mich für 80cmx80cm entschieden. Die Idee war eine „wendbare“ Platte zu bauen die man auf beiden Seiten bespielen kann. Auf der einen Seite eher gemäßigtes Klima mit Brauntönen und grünem Grasstreu, auf der anderen Seite eher mediterran bzw. wüstenartig mit helleren Farben.

Die Platte besteht aus Styrodur mit einem Holzrahmen, leider habe ich beim Bauen der Platte nicht sehr viele Bilder gemacht.

Dann habe ich noch diverses Gelände gebastelt: Modularer Küstenabschnitt, Hügel, Wälder, Straße, etc. Außerdem zwei „Camps“ / Heerlager.

Leider ist mir beim Gelände am Ende etwas die Luft ausgegangen, eigentlich bräuchte ich noch dringend einen Sumpf und ein paar Siedlungen / Häuser-Ansammlungen – da muss ich also nochmal ran.

Endergebnis und Fazit

Also ich bin sehr begeistert von diesem Projekt. Ich habe für sehr wenig Geld und superschnell vier komplette Armeen aufgebaut, die wirklich toll aussehen.

Durch die mehrfache Behandlung mit Mod Podge sind die Minis wirklich überraschend stabil. Und durch die „Ziehharmonika-Faltmethode“ sehen die Einheiten auch wirklich sehr dreidimensional aus, obwohl es ja eigentlich nur flach bedrucktes Papier ist.

Ich kann diese Methode wirklich jedem nur wärmstens empfehlen. Da ich auf jeden Fall plane in Zukunft auch noch meine Fühler in Richtung napoleonisches Zeitalter auszustrecken kann es sehr gut sein dass ich spätestens dann wieder auf Peter Dennis und seine Paperboys zurückgreifen werden. Vielleicht dann ja mal in 18mm oder sogar in 28mm.

Autor und Datum: blaxxun am 08.02.2026